Neurotic Existence – Insane

Ja geh halt weg is das ne geile Scheibe! Das Dingen ohne Referenzen und/oder Namedropping vorzustellen ist quasi unmöglich. Allein die Historie der Beteiligten an Neurotic Existence würde ausreichen um sich „Insane“ mindestens mal anzuhören. Ganz ab vom Drumherum ist das aber ein unfassbar gutes Album. Irgendwo zwischen Punk, Hardcore und Crust. Großartiger Wechselgesang auf fiese gleichzeitig catchy Melodien. Hat Potential, dass ich mir das auch in Jahren immernoch reinzieh – läuft aktuell jedenfalls auf Heavy Rotation. Habe leider keine Infos, ob die noch aktiv sind. Würde mir das auch zu gern mal live geben. Kleine Schwäche ist Track 3 „Ain‘t for Me“, der aber direkt von „Black Days“ abgelöst wird. Da vergisst du den etwas weniger geilen Song vorher sofort. Außerdem Anspieltipp ist „Nothing at All“, der auch ein absolutes Brett ist. Über dem gesamten Album liegen Wut und Sehnsucht. Volle knäcke grandios!

Cinderblock – s/t

Schon mit dem ersten Track hat mich dieses Album der Bostoner in Gänze! Flotter Punkrock, geile Gitarre und angepisster Sänger. Da willste umgehend lospogen und stagediven. Cinderblock spielen eine echt geile Mischung mit Oi- und Hardcore-Einflüssen. Am Ende wird man sich wohl auf „Streetpunk“ einigen müssen – Worthülse halt. Aber wer genannten Spielarten der Stromgitarrenmusik zugeneigt ist, der/dem sei diese Platte nah ans Herz gelegt. Ich zumindest krieg schon beim Hören Bierdurst. Mitgröhlfähig, tanzbar und auch sonst für viele Lebenslagen geeignet. Und nicht wundern, wenn ein Tag nachm Durchhören „Disarm“ oder „Disco Killers“ als Ohrwurm durch den Kopf spukt. Auch textlich finde ich das Dingen ziemlich interessant. Anarchie, Fleischkonsum, Abrüstung – und dabei irgendwie doch immer ein bisschen Proll-Skin. Begeistert hat mich neben der Studioaufnahmen auch ein Live-Video, das ich hier noch ganz ans Ende hänge.

Irish Handcuffs (01.06.2018, Tikibeat, Regensburg)

Seit bald sieben Jahren musizieren die Irish Handcuffs aus Regensburg bereits zusammen und sind dabei enorm reisefreudig. Zur Release-Party im Tikibeat ergab es sich jetzt endlich mal, dass ich mir unseren Stadtexport auch mal live ansehen konnte. Da es im Tiki unfassbar saunös war (und ich für den eröffenenden Singersongwriter zu spät war) habe ich mir dann auch tatsächlich nur die Gastgeber des Abends angesehen.
Zunächst ganz großes Lob an den Sound. Der ist bei Konzerten im Tiki eigentlich immer gut, an diesem Freitagabend war das aber wirklich sehr geil. Alle Daumen nach oben. Und was die Handcuffs im immer noch tropischen Saal aus den technischen Gegebenheiten machten war dann auch eine ganz feine Geschichte. Melodischer Punkrock, den vermutlich jede/r umgehend in die USA verorten würde. Das hat mal richtig Spaß gemacht, denn es war kein billiger Abklatsch der Chartstürmer aus den 90ern und 00ern, die die Teenie-Film-Welle ritten, sondern sehr eigenständig und sehr launefördernd. Es ist wirklich nicht einfach, wenn eine Band aus diesem etwas abgegriffenen Genre wirklich gut ist – immerhin auch das ist eine neue Erfahrung, die ich sonst nicht gemacht hätte. Aber zurück zur guten Laune, denn der Funke sprang auf jeden Fall über und es war verwunderlich, dass die Band nicht knöcheltief im eigenen Schweiß auf der Bühne stand. Da kam richtig Power aus den Boxen, auch weil alle Bandteile super zusammenpassen. Nichts übertrieben, nicht künstlich – einfach nach vorne. Mir hat die Show sehr gut gefallen – die neue Platte checke ich dann in nächster Zeit mal an.

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Irish Handcuffs bei bandcamp

Syndrome 81 – Béton Nostalgie

Ich glaub Schuld daran, dass ich mit Syndrome 81 erstmals anhörte waren Artwork und der Titel dieser Compilation „Béton Nostalgie“. Und die Combo aus Brest hatte mich dann auch sofort. Auf dieser Comp, die eigentlich als Tape veröffentlich wurde, finden sich alle bis dahin veröffentlichten Songs und das bietet auch eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, die sich auch trotz des Umfangs von 18 Songs sehr gut durchhören lässt. Der Opener „Une Vie Pour Rien“ gibt dabei die grobe Richtung vor. Kraftvoll und melancholisch zugleich – ein ganz großer Track! Außerdem hervorzuheben ist „Désert Urbain“, dessen Refrain mich schier weghaut. Direkt darauf folgt ein gelungenes Blitz-Cover – auch das Cover von Negative Approach finde ich ziemlich gut. Richtig Druck aufn Schädelinhalt macht „Contre Vents Et Marées“. Musikalisch ist das alles einfach gehalten, dabei melodisch und trotzdem stumpf. Das hat viel von Punk aus den 80ern, Anleihen ausm Oi! und klingt am Ende ziemlich modern. Als einziger Track fällt „Pulsions Électriques“ aus der Sammlung raus. Mit Elektro-Elementen, die ich auch in die 80er verorten würde, bleibt die Stimmung, ist musikalisch aber natürlich etwas anderes. Doch leider beherrschen Syndrome 81 auch das. Ein tolles Album, dass ein Reinhören mehr als verdient!

Schreng Schreng & La La (24.03.2018, Apotheke, Regensburg)

Nach einem mäßigen Tag des antifaschistischen Protests gegen die Pappnasen von der AfD fand ich mich am früheren Abend in der Apo ein um der kleinen Hausmusik zu lauschen. Im hinteren Teil war auch schon Schallverstärkungsgerät aufgebaut und der dem Show-Bereich zugewandte Teil des Tresens lockte mit einem freien Hocker und kühlem Bier. Die perfekte Position für Konsum von Getränken und musikalischer Darbietung, die ich auch nicht mehr hergab. Es dauerte auch nur ein paar Frischgezapfte ehe sich die beiden Musiker ans Werk machten und es war in höchstem Maße unterhaltsam. Musikalisch von Akustikgitarre untermalt wurden feine deutschsprachige Texte dargeboten – mit der von mir hochgeschätzten Stimme von Jörkk Mechenbier, der ja auch -achtung namedropping- bei Love A das Sprachrohr ist. Der „Anwalt“ an der Gitarre fiel zwischen den Songs durch trockenen Humor auf – und einen gespielten oder echten Kater. Ich bin mir da uneins. Jörkk am Gesang lief bei den Ansagen jedenfalls zu höchstem Entertainer-Faktor auf. Besonders positiv waren dabei -selbstredend- die Beschimpfungsarien gegen die Gäste, die sich nen Scheißdreck um die hohe Kunst, die da passierte, scherten. Wer deutschsparachige Texte zu Akustikgitarre mag sollte bei Schreng Schreng & La La auf jeden Fall mal reinhören – am besten bei einer Live-Gelegenheit. Es war ein in höchstem Maße gutes wie spaßiges Konzert. Um die Texte richtig zu würdigen muss ich mir aber selbst nochmal die Aufnahmen reinziehen. Dafür war es in der Apo dann doch zu unruhig. In ihrem Tourtagebuch geben die beiden an, dass sie gerne nochmal nach Regensburg kommen würden. Wegen mir jeder Zeit! Und ganz nebenbei auch schön, dass ein kurzer Nachruf auf mein grade frisch bestelltes Bier (RIP) im Tourtagebuch Platz findet.

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Schreng Schreng & La La