Bierdosen Freunde – s/t

Endlich mal wieder ein kompletter Longplayer, der durchweg Spaß und Durst macht. Die Bierdosen Freunde versorgen einen mit musikalisch einigermaßen stumpfem Deutschpunk, was ja erstmal n positives Kriterium is. Dass es dabei nicht langweilig wird liegt an den großartigen Songideen und dem Mitgröhlfaktor 200. Um nicht zu sagen stapelt sich Hit auf Hit und Ohrwurm auf Ohrwurm. Den persönlichen Megaüberhit muss sich jede*r selbst raussuchen – ich schwanke zwischen „Rote Armee“ und „Ich liebe dich“. Zum Schwanken ist das Teil aber auf jeden Fall geeignet. Wundere mich grad selbst, dass ich mir die LP für verrauschte Nächte noch nicht zugelegt hab. Neben der Kernaussage und dem immer aktuellen Lifestyle-Thema „Saufen“ wird auch ein ums andere Mal klar politisch Stellung bezogen. Auch finde ich keine peinlichen Ausfälle in den Texten. Schön das. Viel Witz, noch mehr Durst und ne gute Dosis Selbstironie. Eine richtig geile Deutschpunk-Platte. Und ich hab jetzt Bock auf Dosenbier.

Vales – Clarity

Einer meiner Favoriten diesen Herbst ist die schon 2012 erschienene „Clarity“ von Vales, die laut bandcamp-Seite aus Cornwall kommen. Was schon beim ersten Hören heraussticht ist natürlich die Sängerin, die eine unglaubliche Power an den Tag legt. Das ist megasauer und emotional gleichzeitig. Rau und irgendwie melodisch. Stark. Musikalisch ist das irgendwie Post-Hardcore. Macht auf jeden Fall ziemlichen Druck und ebnet den Weg für die furiosen Vocals. Den Opener „Standing Alone (Isolation)“ finde ich dabei noch den schwächsten Track, vermutlich weil der auch am komplexesten ist. Danach wird aufs Gas gedrückt, wobei die Songs immer wieder von ruhigeren Parts unterbrochen werden („Post“ halt, weisse bescheid). Doch auch diese Teile haben eine ziemliche Präsenz, dass sich das gut einfügt. Punktgenau in der Mitte kommt die EP zum Höhepunkt (jedenfalls meiner Meinung nach), denn „Stallions (Adrenaline)“ ist eine absolute Perle in Sachen Power und Wut und Druck. Ich rate dringend dazu sich diesen 15-Minüter mal zu Gemüte zu führen.

ZSK (11.10.2018, Domplatz, Regensburg)

Ja is dat schön, dass die Nazis in Regensburg in aller Regel keinen Fuß auf den Boden bekommen. Als Wahlkampfhighlight hatten die AfDer einen Höcke-Auftritt vor dem Regensburger Dom angekündigt. Der Protest dagegen formierte sich schon frühzeitig und wie es der Zufall so will stand für den gleichen Abend ein Konzert von ZSK im Vorort auf dem Programm. Die Band erklärte sich kurzfristig bereit auf der Gegenkundgebung zu spielen, was sicherlich zur enorm erfolgreichen Mobilisierung beitrug. Bei für eine LKW-Bühne wirklich ganz feinem Sound wurden dann auch irgendwas um die 9 Songs dargeboten. Ich hab da nicht mitgezählt, macht aber nix. Warum bei so einem verkürzten Set gleich zwei Cover dabei sein müssen ist entweder Geschmackssache oder Marketing. Egal. Es wurden auf jeden Fall die relevanten (und selbstverständlich teilweise auch großartigen) Songs zum Thema gespielt. Komischerweise sprang bei mir der Funke nur bedingt über, obwohl fast das komplette Set zu meiner persönlichen Heavy Rotation gehört. Der Sänger war ganz schön unterwegs – auf dem LKW, im Publikum. Das wirkte für einige auch ein wenig übertrieben. Ich fands okay. Auf jeden Fall ne geile Aktion der Band die Proteste vor Ort zu unterstützen. Drumherum gelange es wegen der örtlichen Gegebenheiten und der Polizeipräsenz leider nicht die AfDer-Veranstaltung zu verhindern. Das schafften die aber schon selbst ganz gut. Zunächst sickerte durch, dass Höcke doch nicht kommen würde. Dann scheiterte die Kundgebung an fehlendem Strom. Also zogen die bummelig 50 Nazis nach ein paar Minuten im Dunkeln wieder ab. Ein komplettes Desaster also für die AfD, während wir um Längen mehr Leute waren und wesentlich mehr Spaß hatten.

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+++ ZSK

Captain Planet + Matula + Deutsche Laichen + Sandlotkids (09.10.2018, Feierwerk, München)

Schon wieder ein Roadtrip unter der Woche nach München, dieses Mal aus vollkommen anderem Grund. Das großartige Label Zeistrafe zählte nach, kam auf 15 Jahre Nichtaufgeben und organisierte zu diesem Anlass eine Tour, die auch in München Station macht. Ticket hatte ich mir aus Selbstzwang schon vor Wochen zugelegt, nicht dass ich doch noch zu faul bin und mich hinterher ärger, dass ich mir das nicht reingezogen hab. Vorfreude also groß, aber zurecht? Es starteten als Local-Support die Sandlotkids und das mag zwar handwerklich ganz gut gewesen sein – war aber so recht gar nicht meins. Tatsächlich hätte ich mich wesentlich mehr über tigeryouth gefreut, der die Tour bei anderer Gelegenheit ergänzte. Aber was solls – next waren dann Deutsche Laichen und da ging bei mir natürlich die Laune nach oben. Grundsätzlich Punkrock und grundsätzlich sauer, aber mit so vielen Einflüssen aus anderen Musikrichtungen, dass es echt spannend blieb, wie es weiter geht. Natürlich auch eingängig und einprägsam („my cunt my business“ oder „menschen sind scheiße“), aber mitunter auch etwas kompliziert zu überblicken, wo wir grade sind. Manche Menschen würden sagen der Band fehlt eine Linie, ich nenn das abwechslungsreich. Danach waren dann Matula an der Reihe, die mich tatsächlich erst mit ihrem aktuellen Album überzeugen konnten. Vorher hatte ich die eher nicht so auf dem Schirm. Und zackbumm war das live ne echt gute Nummer. Irgendwie so „Indie“ (sowieso ultraschwammiger Begriff), auf jeden Fall Punk. Könnte mitunter ein wenig wütender sein – aber vielleicht muss ich mir die Guten auch nochmal öfters aus der Dose reinziehen. Mit mehr Textkenntnissen wäre das auch sicherlich ein noch besseres Konzert geworden, denn so 100% hab ich die Lyrics, trotz insgesamt gutem Sound an dem Abend, nicht immer verstanden. Als letzten dann der Hauptgrund meiner Anwesenheit: Captain Planet, die ich zuletzt vor bummelig drei Jahren bei leider miesem Sound gesehen hatte. Umso besser war dieses Konzert, denn der Sound war, wie angemerkt, top und die Location mag ich ohnehin. Der CP-Sänger wirkte zu Beginn stimmlich etwas angeschlagen – aber wer dauerhaft so nach vorne losschreit, der muss auch irgendwann mal dicken Hals haben. Fiel mir aber wirklich nur zu Beginn auf. Der Rest war unglaublich Power. Diese Band hat eine so großartige Live-Präsenenz, da kannst du nur staunen oder mitgehen. Publikum entschied sich wenig überraschend für letzteres und bewies sich gewohnt textsicher. Zu dem emotionalen, energiegeladenen Punkrock mischten CP hin und wieder ein paar Synthie-Elemente ein. Das passte sehr gut. Persönlich fehlte mir bei diesem Gig gar nichts. Mir gefallen aber auch so viele Songs der Band, dass mir gar nicht auffallen würde, wenn einer fehlte. Auch wenn sich an der Band sicherlich die Geister scheiden, bei Gelegenheit sollten sich auch Skeptiker das mal live ansehen. Am Ende gab es dann noch ein Matula-Feature zur Nichtfeier des Labeljubiläums. Ein guter Abschluss eines ziemlich guten Konzertabends.

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+++ Sandlotkids auf bandcamp
+++ Deutsche Laichen auf bandcamp
+++ Matula
+++ Captain Planet

Chefdenker + Shotter + Chinchi Rossi from the Gossi (29.09.2018, JUZ, Burglengenfeld)

So richtig groß gibt es eigentlich nicht zu berichten, obschon es ein großartiger Abend war. Das lag in erster Linie daran, dass das JUZ sehr gut gefüllt war, was freut, aber gleichzeitig nicht überfüllt war und so gemütlicher Klönschnack und schnelle Nachschubversorgung möglich waren. Den Anfang machten Chinchi Rossi from the Gossi, deren Konzept ich an diesem Abend nicht überrissen hab. Damit muss ich mich nochmal wann anderes beschäftigen. „Dat is Kunst, dat raff ich nie.“ Es folgten die ebenfalls aus dem Nachbardorf Regensburg stammenden Shotter, die durchaus zum Mitschunkel einluden. Nicht über die Maßen schneller Punkrock, der dafür mit ziemlicher RocknRoll-Kante ausgestattet ist. War auch unterhaltsam, wenngleich nicht 100% meins – und unterm Strich war ich ja fanboytechnisch ohnehin primär für den „Headliner“ angereist. Die Chefdenker ließen dann auch keinen Raum für Enttäuschung, sondern hatten offensichtlich durchaus Bock auf die Nummer. Um es vorweg zu nehmen, es gab kein Knofa-Cover (außer ich hab was verpasst. es möge mich verbessert werden wenn dem sei.). Macht aber gar nix, weil is ja Chefdenker-Konz. Und von der Mikrowelle bis zum preisgünstigen Dosenbier wurde auch echt ein feines Best-of der jetzt ja doch auch schon seit 16 Jahren exisitierenden Band geboten. Vor der Bühne Pogo und Albernheit. Aus den Boxen das hervorragende Gemisch an Einflüssen, die aber am Ende quasi alle Punkrock ergeben. Ich hatte großen Spaß und muss besonders positiv anmerken, dass einiges vom „Coverbands ist die Zukunft“ gespielt wurde – total unterbewertet die Platte. Was nachhallt ist aber von der aktuellen Scheibe: „Jede Minute, ohne Alkohol im Blut, ist keine gute – das sagt dir jedes Institut.“

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+++ Shotter
+++ Chefdenker