ZSK (11.10.2018, Domplatz, Regensburg)

Ja is dat schön, dass die Nazis in Regensburg in aller Regel keinen Fuß auf den Boden bekommen. Als Wahlkampfhighlight hatten die AfDer einen Höcke-Auftritt vor dem Regensburger Dom angekündigt. Der Protest dagegen formierte sich schon frühzeitig und wie es der Zufall so will stand für den gleichen Abend ein Konzert von ZSK im Vorort auf dem Programm. Die Band erklärte sich kurzfristig bereit auf der Gegenkundgebung zu spielen, was sicherlich zur enorm erfolgreichen Mobilisierung beitrug. Bei für eine LKW-Bühne wirklich ganz feinem Sound wurden dann auch irgendwas um die 9 Songs dargeboten. Ich hab da nicht mitgezählt, macht aber nix. Warum bei so einem verkürzten Set gleich zwei Cover dabei sein müssen ist entweder Geschmackssache oder Marketing. Egal. Es wurden auf jeden Fall die relevanten (und selbstverständlich teilweise auch großartigen) Songs zum Thema gespielt. Komischerweise sprang bei mir der Funke nur bedingt über, obwohl fast das komplette Set zu meiner persönlichen Heavy Rotation gehört. Der Sänger war ganz schön unterwegs – auf dem LKW, im Publikum. Das wirkte für einige auch ein wenig übertrieben. Ich fands okay. Auf jeden Fall ne geile Aktion der Band die Proteste vor Ort zu unterstützen. Drumherum gelange es wegen der örtlichen Gegebenheiten und der Polizeipräsenz leider nicht die AfDer-Veranstaltung zu verhindern. Das schafften die aber schon selbst ganz gut. Zunächst sickerte durch, dass Höcke doch nicht kommen würde. Dann scheiterte die Kundgebung an fehlendem Strom. Also zogen die bummelig 50 Nazis nach ein paar Minuten im Dunkeln wieder ab. Ein komplettes Desaster also für die AfD, während wir um Längen mehr Leute waren und wesentlich mehr Spaß hatten.

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+++ ZSK

Captain Planet + Matula + Deutsch Laichen + Sandlotkids (09.10.2018, Feierwerk, München)

Schon wieder ein Roadtrip unter der Woche nach München, dieses Mal aus vollkommen anderem Grund. Das großartige Label Zeistrafe zählte nach, kam auf 15 Jahre Nichtaufgeben und organisierte zu diesem Anlass eine Tour, die auch in München Station macht. Ticket hatte ich mir aus Selbstzwang schon vor Wochen zugelegt, nicht dass ich doch noch zu faul bin und mich hinterher ärger, dass ich mir das nicht reingezogen hab. Vorfreude also groß, aber zurecht? Es starteten als Local-Support die Sandlotkids und das mag zwar handwerklich ganz gut gewesen sein – war aber so recht gar nicht meins. Tatsächlich hätte ich mich wesentlich mehr über tigeryouth gefreut, der die Tour bei anderer Gelegenheit ergänzte. Aber was solls – next waren dann Deutsche Laichen und da ging bei mir natürlich die Laune nach oben. Grundsätzlich Punkrock und grundsätzlich sauer, aber mit so vielen Einflüssen aus anderen Musikrichtungen, dass es echt spannend blieb, wie es weiter geht. Natürlich auch eingängig und einprägsam („my cunt my business“ oder „menschen sind scheiße“), aber mitunter auch etwas kompliziert zu überblicken, wo wir grade sind. Manche Menschen würden sagen der Band fehlt eine Linie, ich nenn das abwechslungsreich. Danach waren dann Matula an der Reihe, die mich tatsächlich erst mit ihrem aktuellen Album überzeugen konnten. Vorher hatte ich die eher nicht so auf dem Schirm. Und zackbumm war das live ne echt gute Nummer. Irgendwie so „Indie“ (sowieso ultraschwammiger Begriff), auf jeden Fall Punk. Könnte mitunter ein wenig wütender sein – aber vielleicht muss ich mir die Guten auch nochmal öfters aus der Dose reinziehen. Mit mehr Textkenntnissen wäre das auch sicherlich ein noch besseres Konzert geworden, denn so 100% hab ich die Lyrics, trotz insgesamt gutem Sound an dem Abend, nicht immer verstanden. Als letzten dann der Hauptgrund meiner Anwesenheit: Captain Planet, die ich zuletzt vor bummelig drei Jahren bei leider miesem Sound gesehen hatte. Umso besser war dieses Konzert, denn der Sound war, wie angemerkt, top und die Location mag ich ohnehin. Der CP-Sänger wirkte zu Beginn stimmlich etwas angeschlagen – aber wer dauerhaft so nach vorne losschreit, der muss auch irgendwann mal dicken Hals haben. Fiel mir aber wirklich nur zu Beginn auf. Der Rest war unglaublich Power. Diese Band hat eine so großartige Live-Präsenenz, da kannst du nur staunen oder mitgehen. Publikum entschied sich wenig überraschend für letzteres und bewies sich gewohnt textsicher. Zu dem emotionalen, energiegeladenen Punkrock mischten CP hin und wieder ein paar Synthie-Elemente ein. Das passte sehr gut. Persönlich fehlte mir bei diesem Gig gar nichts. Mir gefallen aber auch so viele Songs der Band, dass mir gar nicht auffallen würde, wenn einer fehlte. Auch wenn sich an der Band sicherlich die Geister scheiden, bei Gelegenheit sollten sich auch Skeptiker das mal live ansehen. Am Ende gab es dann noch ein Matula-Feature zur Nichtfeier des Labeljubiläums. Ein guter Abschluss eines ziemlich guten Konzertabends.

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Chefdenker + Shotter + Chinchi Rossi from the Gossi (29.09.2018, JUZ, Burglengenfeld)

So richtig groß gibt es eigentlich nicht zu berichten, obschon es ein großartiger Abend war. Das lag in erster Linie daran, dass das JUZ sehr gut gefüllt war, was freut, aber gleichzeitig nicht überfüllt war und so gemütlicher Klönschnack und schnelle Nachschubversorgung möglich waren. Den Anfang machten Chinchi Rossi from the Gossi, deren Konzept ich an diesem Abend nicht überrissen hab. Damit muss ich mich nochmal wann anderes beschäftigen. „Dat is Kunst, dat raff ich nie.“ Es folgten die ebenfalls aus dem Nachbardorf Regensburg stammenden Shotter, die durchaus zum Mitschunkel einluden. Nicht über die Maßen schneller Punkrock, der dafür mit ziemlicher RocknRoll-Kante ausgestattet ist. War auch unterhaltsam, wenngleich nicht 100% meins – und unterm Strich war ich ja fanboytechnisch ohnehin primär für den „Headliner“ angereist. Die Chefdenker ließen dann auch keinen Raum für Enttäuschung, sondern hatten offensichtlich durchaus Bock auf die Nummer. Um es vorweg zu nehmen, es gab kein Knofa-Cover (außer ich hab was verpasst. es möge mich verbessert werden wenn dem sei.). Macht aber gar nix, weil is ja Chefdenker-Konz. Und von der Mikrowelle bis zum preisgünstigen Dosenbier wurde auch echt ein feines Best-of der jetzt ja doch auch schon seit 16 Jahren exisitierenden Band geboten. Vor der Bühne Pogo und Albernheit. Aus den Boxen das hervorragende Gemisch an Einflüssen, die aber am Ende quasi alle Punkrock ergeben. Ich hatte großen Spaß und muss besonders positiv anmerken, dass einiges vom „Coverbands ist die Zukunft“ gespielt wurde – total unterbewertet die Platte. Was nachhallt ist aber von der aktuellen Scheibe: „Jede Minute, ohne Alkohol im Blut, ist keine gute – das sagt dir jedes Institut.“

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Tragedy + Nörgel (20.09.2018, Kafe Kult, München)

Ja selbstverständlich muss ich mich rausrollen, wenn die meistaufgenähte Band der Welt in der Gegend ist. Und natürlich ist die Bude ausverkauft und es sind auch einige Autokennzeichen von ganz weit weg am Kult. Tragedy sind nunmal nicht weniger als Mitbegründer eines Genres und seit bald 20 Jahren unterwegs. Den Anfang machten aber erstmal Nörgel aus München und ich bin mal direkt Fan geworden. D-Beat, Hardcore-Punk, Crust. Das ganze bei 40° Konzertsaaltemperatur aufkochen. Sehr schön. Paar flottere Nummern, zwischendurch paar doomycrusty Parts. Und da ja bekanntlich mit D-Beat alles besser wird, wurde alles besser. Der Sänger war mir etwas zu leise, war aber grade noch laut genug, dass das alles zusammen sehr geil war. Schönes Ding und auch nicht zu lang. Ich mag kurze Konzerte, auch wenn sie gut sind. Der ganze Abend war überhaupt recht kurzweilig, denn nach kurzer Umbaupause legten auch schon Tragedy los. Natürlich grundsätzlich erstmal geil, gehören doch die ersten beiden Alben zu meinen All-Time-Faves. Aber neben den „ganz alten“ Sachen kamen auch die neuen Songs live wesentlich besser rüber, als aus der Tüte. Das ganze wurde recht „sauber“ und oft in Albumtempo gezockt. Es gab also nur wenig Variationen der bekannten Nummern, dafür aber auch wenig Verhauer, was bei Sachen, die jede*r kennt, halt sehr schnell auffallen würde. Von demher alles kein Scheiß, aber so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Ich fands aber sehr geil, wie sauer Tragedy immer noch sind. Die ganze Aggression ist immer noch da. Das war richtig gut. Warum das Konzert bei mir nicht zur totalen Euphorie führte weiß ich gar nicht. Retrospektiv ging es mir beim letzten Mal, als ich Tragedy im Kult sah, aber ähnlich. Macht nix, würde das bestimmt wieder machen.

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The Run Up + Bike Age (24.08.2018, H5, Regensburg)

Schon drei Wochen her dat Dingen, aber ich hatte nie Zeit das mal zu rekapitulieren. So ein großartiger Abend muss aber festgehalten werden, daher hau ich jetzt wenigstens nen kurzen Abriss raus. Denn schon der Hinweg zu meiner liebsten lokalen Live-Location, den wir bei feinem Bierwetter zu Fuß bestritten, war ungemein unterhaltsam. Dass sich da zwei Typen mitten in der Stadt am hellixten Tag fröhlich die Fäuste gaben war schon amüsant genug. Dass Gespräch mit einem Schaulustigen toppte das aber noch: „habt ihr die Polizei gerufen?“ – „nö!“ – „habt ihr dann ne Kippe?“. Prioritäten! Kurz vor der heiligen Halle machte einer unserer Wandergruppe einen semifreiwilligen Ausflug in eine Baustellenpfütze. Locker 4,8 in der Haltungsnote und stundenlanger Hohn und Spott. So lass ich mir das eingehen.
So denn nach Ankunft weiter Pils gepumpt und die aus Stuttgart angereisten Bike Age begutachten. Und die gute Laune hielt an. Ich sag mal so: in den 90ern/00ern hätten die Jungs an zahlreichen Soundtracks mitwirken können. Melodic-Punk nach klassischer US-Art. Da zuckts im Bein, da dürstet die Kehle. Eine HappyGoLucky-Kapelle, die an kaum einem Abend besser passte als an diesem. Wir fühlten uns wieder wie 16 und verhielten uns auch so. Es war ein richtig großer Spaß! Und auch schon Halbzeit des Abends, denn es standen nur zwei Bands auf dem Programm. Es folgten dann The Run Up, die sich aus dem englischen Bristol in die östliche Vorstadt bemüht hatten. Musikalisch war das gar nicht so weit weg von der Vorband. Allerdings mehr 2018, etwas poppiger und etwas weniger flott. Trotzdem (oder genau deswegen, denn so schnell wir uns 16 fühlten, so schnell warfen uns die Liter wieder Jahre zurück) wurde hier umfangreich getanzt und Spaß gehabt. Ich weiß, dass ich noch irgendwas unglaublich positives am Sänger hervorheben wollte – ich muss mir in Zukunft echt wenigstens ein paar Notizen machen. Nichtsdestotrotz beide Bands sollten auch mal auf Bandcamp angecheckt werden. Tut das!

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