Syndrome 81 – Béton Nostalgie

Ich glaub Schuld daran, dass ich mit Syndrome 81 erstmals anhörte waren Artwork und der Titel dieser Compilation „Béton Nostalgie“. Und die Combo aus Brest hatte mich dann auch sofort. Auf dieser Comp, die eigentlich als Tape veröffentlich wurde, finden sich alle bis dahin veröffentlichten Songs und das bietet auch eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, die sich auch trotz des Umfangs von 18 Songs sehr gut durchhören lässt. Der Opener „Une Vie Pour Rien“ gibt dabei die grobe Richtung vor. Kraftvoll und melancholisch zugleich – ein ganz großer Track! Außerdem hervorzuheben ist „Désert Urbain“, dessen Refrain mich schier weghaut. Direkt darauf folgt ein gelungenes Blitz-Cover – auch das Cover von Negative Approach finde ich ziemlich gut. Richtig Druck aufn Schädelinhalt macht „Contre Vents Et Marées“. Musikalisch ist das alles einfach gehalten, dabei melodisch und trotzdem stumpf. Das hat viel von Punk aus den 80ern, Anleihen ausm Oi! und klingt am Ende ziemlich modern. Als einziger Track fällt „Pulsions Électriques“ aus der Sammlung raus. Mit Elektro-Elementen, die ich auch in die 80er verorten würde, bleibt die Stimmung, ist musikalisch aber natürlich etwas anderes. Doch leider beherrschen Syndrome 81 auch das. Ein tolles Album, dass ein Reinhören mehr als verdient!

Schreng Schreng & La La (24.03.2018, Apotheke, Regensburg)

Nach einem mäßigen Tag des antifaschistischen Protests gegen die Pappnasen von der AfD fand ich mich am früheren Abend in der Apo ein um der kleinen Hausmusik zu lauschen. Im hinteren Teil war auch schon Schallverstärkungsgerät aufgebaut und der dem Show-Bereich zugewandte Teil des Tresens lockte mit einem freien Hocker und kühlem Bier. Die perfekte Position für Konsum von Getränken und musikalischer Darbietung, die ich auch nicht mehr hergab. Es dauerte auch nur ein paar Frischgezapfte ehe sich die beiden Musiker ans Werk machten und es war in höchstem Maße unterhaltsam. Musikalisch von Akustikgitarre untermalt wurden feine deutschsprachige Texte dargeboten – mit der von mir hochgeschätzten Stimme von Jörkk Mechenbier, der ja auch -achtung namedropping- bei Love A das Sprachrohr ist. Der „Anwalt“ an der Gitarre fiel zwischen den Songs durch trockenen Humor auf – und einen gespielten oder echten Kater. Ich bin mir da uneins. Jörkk am Gesang lief bei den Ansagen jedenfalls zu höchstem Entertainer-Faktor auf. Besonders positiv waren dabei -selbstredend- die Beschimpfungsarien gegen die Gäste, die sich nen Scheißdreck um die hohe Kunst, die da passierte, scherten. Wer deutschsparachige Texte zu Akustikgitarre mag sollte bei Schreng Schreng & La La auf jeden Fall mal reinhören – am besten bei einer Live-Gelegenheit. Es war ein in höchstem Maße gutes wie spaßiges Konzert. Um die Texte richtig zu würdigen muss ich mir aber selbst nochmal die Aufnahmen reinziehen. Dafür war es in der Apo dann doch zu unruhig. In ihrem Tourtagebuch geben die beiden an, dass sie gerne nochmal nach Regensburg kommen würden. Wegen mir jeder Zeit! Und ganz nebenbei auch schön, dass ein kurzer Nachruf auf mein grade frisch bestelltes Bier (RIP) im Tourtagebuch Platz findet.

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Schreng Schreng & La La

Fight Night Festival (16.02.2018, Landshut)

Wie jedes Jahr ließ mein Terminkalender nur einen Abend der Fight Night zu, umso schöner, dass die Geschichte nur unweit meines Wohnortes liegt. Sogar der Fahrplan war schon relativ früh eingetütet, so dass ich mich am Freitagnachmittag relativ entspannt nach Landshut aufmachen konnte. Leider (aber auch am frühen Freitagabend im Februar erwartbar) war noch nicht sonderlich viel los. Wie sich im Nachgang herausstellte war die Zahl der Zahlenden am gesamten Wochenende deutlich zu niedrig, so dass die Fight Night ein fettes Kohleminus eingefahren hat. Das war in diesem Ausmaß aber noch nicht absehbar, also noch ein paar unterkühlte Bierchen vor der Tür genippt, die ersten Hallos verteilt und dann ging’s auch schon los.

Der Opener-Slot ist natürlich immer undankbar, aber irgendwer muss ja anfangen. Diesen Job übernahmen Euphorie aus München, dir mir mit ihrem Streetpunk (Selbstbezichtigung) bzw. Oi (würde ich sagen) durchaus gefielen. Das holperte zwar an der einen oder anderen Stelle, aber da is ja auch drauf geschissen. Leider verlor sich das Ganze im unterfrequentierten Saal. Ich glaub, dass die echt die Bude zum kochen bringen könnten. Der eigens für die Fight Night geschriebene Song blieb dabei am meisten im Kopf. „no beer no hope!“ Was sich durch den gesamten Abend zog war der nicht so geile Sound insgesamt. Noch hatten wir die Hoffnung, dass das im Laufe der Bands besser werden würde – dem war leider nicht so.

Als nächstes standen die Nürnberger von 9/11 Youth auf dem Zettel, von denen ich vorher gerade mal den Bandnamen kannte. Die Geschichte war dann eine durchaus annehmbare HC-Nummer, was aber halt nicht so ganz meine Baustelle ist. Daher kann ich das genretechnisch auch nicht sinnvoll verorten. Es gefiel mir jedenfalls ganz gut und ich war von der Stimme des Sängers durchaus beeindruckt. Das war sehr geil. Ganz angeschaut hab ich mir das dann aber nicht. Es musste ja noch sehr viel unsinniges Zeug gelabert werden – auch wenn ich die meisten Leute natürlich eigentlich regelmäßig treffe.

Naja also direkt mal sauber verquatscht und daher viel zu spät zu Rather Raccoon wieder in die Halle. Schön blöd, denn das war eigentlich ne richtig gute Show. Vollgas-Punkrock, dass mir das Gesicht zu einem Lächeln entglitt. Eigentlich. Denn die Power von der Bühne kam soundtechnisch zumindest bei mir nicht an. So schade. Es wollte der Funke einfach nicht überspringen und trotz einem granatenstarken Gig wird das wohl nicht wirklich in Erinnerung bleiben.

Trotzdem blieb meine Laune recht weit oben, denn es folgten Todeskommando Atomsturm, auf die ich mich ehrlich gesagt am meisten gefreut hatte. Und BÄMMJAWOLLJA das fetzt richtig. Über die Maßen guter Punkrock, der zusammen mit der Power-Stimme der Sängerin wirklich den Abend gewann. Flott und angefressen und pissig und melodisch und Druck. Ich hoffe dringend darauf die in Bälde wieder live genießen zu dürfen.

Next waren die von mir ohnehin beinahe pauschal über den grünen Klee gelobten Minipax über die ich auch für diesen Abend fast nur Gutes zu berichten hätte. Natürlich ist das alles recht poppig, hat aber live einen Druck, dass es eine Freude ist. Tatsächlich hab ich mich am Ende des Konzerts dann doch noch auf die Tanzfläche verirrt, obwohl sich die Funkenübersprungsproblematik nie löste. Viel mehr will ich dazu auch gar nicht mehr schreiben – das wird eh nur Fanboy-Lobhudelei.

Geht einfach selbst aufs nächste Minipax-Konzert. Und zu Todeskommando Atomsturm. Und schaut euch Rather Raccoon an. Kuckt bei 9/11 Youth vorbei. Ladet Euphorie in euer Wohnzimmer ein.

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Am späteren Abend spielten auch noch Dead City Radio und Normahl, da war ich wegen MFG aber bereits wieder am Heimweg.

Zunder – Tote Mauern

Die sind echt sauer! Super! Zunder zocken schnellen Punkrock und die 2 SängerInnen krakelen dazu deutschsprachige Texte. Lyrisch ist das in jedem Fall sinnvoll und in Verbindung mit wirklich guter Mucke geht das richtig geil nach vorn und ins Ohr. Aufdrehen. Dringend. „STOLZ? FÜRN ARSCH!“ wundervoll. Und nach dem HC-Teil „Deutschrock Halt’s Maul“ folgt zum Abschluss mit „Schwarze Wellen“ noch ein etwas langsamerer Track, der aber trotzdem eine ungeheure Wucht hat. Laut Labelbezichtigung sind Zunder die Nachfolgeband von Pestfest und ich bin froh, dass da nach Bandende weiter gemacht wurde. Echt gutes Teil und der Beweis, dass Flensburg doch nicht ganz umsonst ist.

FUCKED – Void 3: Fucked

Gestern fiel mir „Void 3: Fucked“ von FUCKED in den Feed und tatsächlich war ich sofort angetan. Das Ganze ist das Solo-Nebenprojekt eines Soloprojekts – der Kollege hat bei FUCKED also offensichtlich nur Spaß und spielt bisschen rum. Und nicht nur dafür ist diese VÖ echt gut.

An und für sich ist das eine Blaupause für Grind. Wenig überraschendes oder neues. Aber wozu auch? Kurze Tracks. Hart aufs Maul. Hier D-Beat, da Geballer, bisschen crusty. Was willste bidde mehr? Alles n bisschen übertrieben in seiner Schlichtheit. Und dabei auch nicht mit 161 Songs überladen, sondern 11 Tracks (Nr. 8 ist nur Interlude), von denen nur drei die 30-Sekunden-Marke überschreiten. Der Gesang ist auch geil sauer und nicht groß übersteuert. Dazu im Hintergrund durchgehend dieses Störgeräusch. Taugt voll. Die anderen Releases von FUCKED finde ich nicht so gut, wie diese 2016er Veröffentlichung. Aber da das Projekt ja nur ne Art Spielwiese ist, ist ein geiles Teil ja ne sehr gute Quote.